Ein Erfolgsmodell wird 150

Volksbank Rheinböllen feiert 150-jähriges Bestehen / Vorgängerinstitut „Rheinböllener Darlehnskassen-Verein“ wurde am 23. Januar 1871 gegründet

 

Es waren lausige Zeiten im Hunsrück am Ende des 19. Jahrhunderts: Die Landwirtschaft und der Mittelstand lagen danieder, waren zum Teil hoch verschuldet. Das Geld war knapp. Kredit gab es nur bei privaten Geldverleihern und selten ohne hohe Wucherzinsen. Um ihre finanzielle Not zu lindern und um an dringend benötigtes Kapital für ihre Höfe und Werkstätten zu gelangen, ergriffen 39 Handwerker, Bauern, Gewerbetreibende und Arbeiter aus Rheinböllen und Umgebung die Initiative und riefen auf zur Gründung einer Selbsthilfeeinrichtung nach dem Vorbild des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Am 23. Januar des Jahres 1871 war es in Rheinböllen soweit: Gemeinsam hoben die Initiatoren den „Rheinböllener Darlehnskassen-Verein“ aus der Taufe. Die Männer verstanden wenig von Konjunktur und hoher Finanzpolitik. Doch sie appellierten nicht an den Staat, sondern schlossen sich zusammen und gründeten ihre eigene Bank. Getreu den genossenschaftlichen Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. 150 Jahre nach dem Gründungsdatum wollen wir an das historische Ereignis erinnern und im Jubiläumsjahr auf unsere langjährige Tradition und Selbstständigkeit aufmerksam machen.

 

Erster Aufsichtsratsvorsitzender war Jakob Rummel aus Rheinböllerhütte, zum ersten Vorstandsvorsitzenden wählten die Gründungsmitglieder den Rheinböllener Bürgermeister Reis. Zum ersten Rechner wurde der Lehrer Peter Becker. Die Genossenschaft lief an: Am 1. März 1871 wurde auf das erste Konto von der evangelischen Kirchenkasse in Dichtelbach 53 Thaler eingezahlt. Bereits drei Tage später forderte Johann Josef Schlitter aus Dichtelbach 80 Thaler auf Schuldschein. Ende des Gründungsjahres brachte es die junge Genossenschaftsbank bereits auf eine Bilanzsumme von 17.292 Mark, die Geschäfts- und Verwaltungskosten beliefen sich auf 18 Mark.

 

Früher als anderswo erkannten die Menschen in Rheinböllen, dass sie ihre Not nur dann überwinden können, wenn sie sich zusammenschließen. Rheinböllen war damit so etwas wie die „genossenschaftliche Keimzelle“ im Hunsrück. Den Gründern ging es nicht darum, eine Bank zu gründen, um lukrative Geschäfte zu machen. Sie wollten Abhilfe gegen Zinswucher schaffen, dem Nächsten helfen und allen Menschen aus der Region eine Perspektive zum Sparen und zur Kreditaufnahme geben – und somit das Tor zu einer sicheren und planbaren Zukunft öffnen. Dafür standen die ersten Genossenschaftler ein. Und das ist auch heute Unternehmensziel. Unsere genossenschaftliche Geschäftspolitik hat sich besonders in der Finanzkrise bewährt. Wir stehen für Sicherheit und Verlässlichkeit und sind aus eigener Kraft erfolgreich.

 

Heute fast 2.000 Mitglieder

 

Nach zwei Weltkriegen, Inflation und Währungsreform ging es Anfang der 50er Jahre richtig aufwärts. Neue Bankdienste kamen hinzu, der Scheck-, Wechsel- und Überweisungsverkehr wuchs stetig, der Personalbestand wurde größer, und die Anschaffung von Maschinen für die elektronische Datenverarbeitung wurde eine Notwendigkeit. Auf rd. 210 Millionen Euro beläuft sich aktuell die Bilanzsumme. Die Bank hat heute 35 Mitarbeiter. 1.991 Kinder, Frauen und Männer sind mit 9337 Anteilen Mitglied der Genossenschaft. Was sich nicht geändert hat: Der verantwortungsvolle Umgang mit den uns anvertrauten Geldern ist unsere Verpflichtung.

 

Arne Rössel (Mitte), Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz, übergibt die IHK-Urkunde zum 150. Jubiläum an Thomas Rychlewski (links) und Björn Engelmann (rechts).